Dualität

Dualität

Serie von Projekten: Bedingungslose Liebe

Teplistan - Moskau - Russland
August 2010

Das erste Projekt aus der Serie "Bedingungslose Liebe"

Edgar:
Bereits früher bekam ich eine Einladung zu diesem Festival, dass durch das Einkaufszentrum "Mega" in Moskau veranstaltet wird. Aus verschiedenen Gründen konnte ich erst in diesem Jahr zusagen. Vor ein paar Jahren war ich bereits in Moskau für ein rein kommerzielles Projekt. Nun wollte ich die Gelegenheit nutzen, ein eigenes Bild zu malen, dass keiner Auflage unterliegt. Das war auch die Bedingung meiner Zusage. Und natürlich wollte ich Moskau wiedersehen - es macht Spass, verschiedene Kulturen kennen zu lernen.

Kurz vor meinem Flug berichteten die Medien von dem Disaster, das durch die tobenden Waldbrände rund um Moskau verursacht wurde. Nach Rücksprache mit meinem Team (Petra Roloefs, Andre Slana, Tomaz Frajnkovic) und dem Organistaor des Festivals - der mir sagte, dass Moskau sicher sei - entschied ich, trotzdem nach Moskau zu fliegen. Das war zugegeben recht naiv. Die Bedingungen, die wir vorfanden, waren grauenvoll. Die Luft war beissend, roch giftig und selbst im Hotel wurde es nicht besser. Die Klimanalagen sind nicht dafür ausgelegt, Feuerqualm zu filtern.

Bei der ersten Besichtigung des Platzes, wo das Bild entstehen sollte, stellte sich die Frage, ob wir nicht lieber im Einkauszentrum malen sollten. Dort war es zwar etwas kühler aber sonst herrschten die gleichen unerträglichen Bedingungen. Ich entschied, draussen zu malen, denn letztendlich bin ich Strassenkünstler und kein Einkaufszentrumskünstler. Die Eindrücke und Bedingungen der fünf Tage, in denen wir gearbeitet haben, sind für mich mit Worten nur schwer zu beschreiben. Wir lebten in einem surrealen Zustand. Die Atemmasken schützten uns ein wenig vor dem Staub und dem Geruch aber das Kohlenmonoxid machte es uns schwer, zu arbeiten. Immer wieder mussten wir in kurzen Abständen Pause machen und uns zumindest im Einkaufszentrum abkühlen.

In den folgenden Tagen und mit dem Fortschreiten des Bildes wurde uns klar - wenn von 15 Millionen Einwohnern noch die Hälfte in Moskau war und versuchen musste, mit der Situation klar zu kommen, ihrem Alltag nachgehen, dann schaffen wir das auch und malen weiter. Jetzt erst recht! Ich war fasziniert von der surrealen Situation, die sich uns bot. Um die Entstehung des Bildes zu dokumentieren machte meine Kamera automatisch alle zehn Sekunden ein Foto. Auf diesen ist deutlich zu sehen, wie der Smog die Sonne verdeckte und alles leicht verschwommen erscheinen ließ.

Kurz vor dem Projekt in Moskau war ich mit Freunden im Urlaub auf der wunderschönen Insel Cres in Kroatien. Dort machte ich die Entwürfe für das Bild und sammelte Fotos von der fantastischen Natur dort. Meine Idee war es, diese wunderschönen Eindrücke nach Moskau zu bringen mit einem Bild, das ursprünglich "Die Lagune" heissen sollte. Doch in Moskau entschied ich mich dann, dass dieser Titel ganz einfach nicht mehr passte. "Dualität" beschrieb die Bedingungen besser, unter denen das Bild entstand.

Die Einwohner von Moskau hatten keine Wahl und mussten irgendwie zurecht kommen. Nicht alle hatten die finanzielle Möglichkeit, dem Ganzen zu entfliehen. Sie gingen dem Alltag nach und vertrauten auf die Regierung - der einzigen Waffe gegen Angst und Verzweiflung, die sich bot. Diese Angst war selten offen zu erkennen, doch lag sie in der Luft. Ich habe einen streunenden verängstigten Hund gesehen, der versuchte, in das vermeintlich sichere Einkaufszentrum zu kommen. Kein Vogel war am Himmel zu sehen. Eine gespenstische Atmosphäre war zu spüren. Und ich wurde an die schöne Küste in Kroatien erinnert, an der ich gegenseitige Liebe mit der Natur fühlte. Liebe und Angst, die gegensätzlichen Quellen, aus der wir unsere Realität formen, jeder für sich. Hier sind sich beide in extremer Form begegnet.


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